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Das Pekinger Museen


Das Guo-Moruo-Museum
Der Historiker und Schriftsteller Guo Moruo wurde 1892 in einem kleinen Dorf in der südlichen Provinz Sichuan geboren. Er erhielt eine klassische Schulbildung und ging 1914 zum Medizinstudium nach Japan, wo er auch Englisch, Deutsch und Latein lernte. Sein literarisches Schaffen begann 1917 mit Übersetzungen des indischen Schriftstellers Rabindranath Tagore. Während längerer Besuche in China in den 1920er Jahren begann sein politisches Engagement, doch hielt es ihn weder in der nationalistischen Guomindang (GMD) noch in der Kommunistischen Partei (KPCh) . Als japanische Truppen 1937 China angriffen, kehrte er sofort in die Heimat zurück und arbeitete mit anderen Autoren in einer Widerstandsgesellschaft gegen Japan. Nach Ausrufung der Volksrepublik 1949 machte Guo schnell Karriere im Kulturbetrieb und in der Politik. Er war u.a. Präsident der Akademie der Wissenschaften, Stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Volkskongresses und wurde 1969 ins Zentralkomitee der KPCh gewählt.
Guo Moruo schrieb zahlreiche Dramen, Erzählungen und Gedichte, von denen einige auch auf Deutsch vorliegen. Er übersetzte u.a. Goethe, Schiller, Heine, Hauptmann, Nietzsche, Marx, Engels und Tolstoi ins Chinesische. Guo Muruo starb am 12. Juni 1978.
Sein Hofhaus mit zwei Innenhöfen, in dem er von 1963 bis zu seinem Tod wohnte, entspricht dem Standard für höhere Kader in den 1960er und 1970er Jahren. Einige Möbel und Besitztümer Guos werden ausgestellt und Fotos dokumentieren sein Leben.
Adresse: 18 Xi Jie, Qianhai (Hintere Seen), geöffnet tgl. außer Mo 9–16.30 Uhr

Das Hauptstadtmuseum

Das Museum für Funde aus der Umgebung von Peking fristete einst ein bescheidenes Dasein in den Nebenräumen des Konfuzius-Tempels. Inzwischen erhielt es einen gewaltigen Neubau im Westen der Stadt, an der großen Ost-West-Achse.
Präsentiert werden Objekte aus der Kulturgeschichte Pekings: Porzellan, Bronzen, Kalligraphien, Malerei, Jadeobjekte, die Schätze des Studierzimmers sowie Buddhastatuen, die in verschiedensten Tempeln gefunden oder sichergestellt werden mussten. Die mehr als 5000 Objekte werden jetzt ansprechend ausgestellt. Weiterhin geht es um  Themen wie Geschichte und Kultur des alten Peking, Architektur und Städtebau sowie Volksbräuche.
Adresse: Fuxingmenwai Dajie, U-Bahn Linie 1, Bahnhof Muxidi, geöffnet tgl. außer Mo 9–17 Uhr

Das Lu-Xun-Museum

Lu Xun wurde am 25. September 1881 in Shaoxing in der Provinz Zhejiang, in einer Beamten- und Gelehrtenfamilie geboren. Obwohl die Familie verarmte, bekam er eine gute Ausbildung, studierte in Nanjing und ging 1902 – wie viele fortschrittlich gesinnte junge Intellektuelle – nach Japan, wo er Medizin studierte und Japanisch sowie Deutsch lernte. Er schrieb erste Gedichte und gab 1906 sein Medizinstudium auf, um sich als Übersetzer und Autor ganz der Literatur zu widmen. 1909 kehrte er nach China zurück und unterrichtete an mehreren Schulen in der Umgebung von Hangzhou. Nach dem Sturz der Monarchie (1911) wurde er Direktor der Pädagogischen Hochschule seiner Heimatstadt Shaoxing. Im folgenden Jahr trat Lu Xun in die republikanische Regierung ein und veröffentlichte zahlreiche Schriften, von denen viele im Zusammenhang mit der Reformbewegung des Vierten Mai (1919) standen. Eines der bekanntesten Werke jener Zeit war „Das Tagebuch eines Verrückten“ (1918), eines der ersten literarischen Werke in chinesischer Umgangssprache. Ab 1918 lehrte Lu Xun an der Peking-Universität, in Xiamen und an der Zhongshan-Universität in Kanton. Als das Land immer stärker in den Auseinandersetzungen zwischen Nationalisten und Kommunisten versank, gab er 1927 seine Dozententätigkeit auf und zog sich nach Shanghai zurück, um nur noch zu schreiben. Er starb in Shanghai am 19. Oktober 1936.
Seine bekanntesten Werke sind neben dem „Tagebuch“ die Erzählung „Die wahre Geschichte des A Q“ (1922), die Gedichtsammlung „Wilde Gräser“ (1928) sowie die Essaysammlung „Morgenblüten – abends gepflückt“ (1928). Sein Werk ist in einer Gesamtausgabe verfügbar: Wolfgang Kubin (Hrsg.), Werke in sechs Bänden, Zürich: Unionsverlag 1994. Eine umfangreiche Studie über Lu Xun schrieb Raoul David Findeisen, Lu Xun: Texte, Chronik, Bilder, Dokumente, Frankfurt: Stroemfeld 2001.
Lu Xun wohnte nur kurze Zeit in diesem Hofhaus, dem nun ein Museum angeschlossen ist. Das Haus mit dem kleinen Garten belegt eindrucksvoll die Lebensumstände eines Intellektuellen im Peking der 1920er Jahre.
Adresse: 19 Gongmen Ertiao, Fuchengmen, geöffnet tgl. außer Mo 9–15.30 Uhr

Mei-Lanfang-Museum

Mei Lanfang (1894–1961) stammt aus einer Dynastie von Operndarstellern und so verwundert es nicht, dass der Junge bereits mit acht Jahren seine Ausbildung begann und mit elf zum ersten Mal auf der Bühne stand. Von Anfang an war er auf weibliche Rollen festgelegt, denn zu seiner Zeit durften Frauen noch nicht in der Peking-Oper auftreten, alle Rollen wurden von Männern gespielt. In den 1920er Jahren wirkte Mei in mehreren Opernverfilmungen in Shanghai mit, und in den Dreißigern führten ihn Tourneen u.a. in die USA und die Sowjetunion. Von 1937 bis 1941 lebte er in Hongkong, kehrte allerdings, als die Stadt von den Japanern besetzt wurde, nach China zurück und schwor, solange nicht aufzutreten wie sich japanische Truppen auf chinesischem Boden aufhielten. Er ließ sich sogar einen Bart wachsen, damit er nicht als Frau auftreten konnte. Tatsächlich hielt er seinen Schwur und stand erst 1946 wieder auf der Bühne. Unter der kommunistischen Herrschaft kam er ebenfalls zu großem Ruhm und besetzte mehrere Posten im Kulturbetrieb.
Von 1951 bis zu seinem Tod 1961 lebte Mei Lanfang in diesem Haus, das nun zum Museum umgebaut ist. Einzelne Möbelstücke aus seinem Besitz sind noch vorhanden und eine Ausstellung informiert über Meis Schauspielkunst.
Adresse: 9 Huguosi Jie, geöffnet tgl. außer Mo 9–16 Uhr


Die Nationale Kunsthalle

Auch die große Kunsthalle entstand 1959 zum zehnten Jahrestag der VR China im sowjetisch-chinesischen Mischstil und schloss die Achse, die die schnurgerade Einkaufsstraße Wangfujing schlug, nach Norden ab. Das Bauwerk selbst imponiert weniger durch seine Architektur als durch seine Ausmaße, denn in 21 Ausstellungshallen kann hier auf 8800 qm Kunst präsentiert werden. Man konzentriert sich inzwischen auf die moderne Kunst und präsentiert in schneller Abfolge Ausstellungen von Künstlern aus China und aus aller Welt.
Adresse:1 Wusi Dajie, geöffnet tgl. 9–17 Uhr, Einlass bis 16 Uhr

Das Palastmuseum

Offiziell gilt der gesamte Kaiserpalast als Palastmuseum (Gugong). Der eigentliche Museumsteil befindet sich jedoch in der nordöstlichen Ecke, wo der Qianlong-Kaiser den Palast des Ruhevollen Alters errichten ließ, in den er sich nach seiner Abdankung zurückziehen wollte. Heute werden hier in verschiedenen Gebäuden wechselnde Ausstellungen von wertvollen Gegenständen aus dem Palast gezeigt, vor allem Porzellan, Seidenstoffe, Jadeobjekte, Gemälde, Kalligraphien, Musikinstrumente und allerhand kurioses Kunsthandwerk.
Obwohl die Ausstellung schon eine ungeheure Opulenz belegt, muss der Besucher bedenken, dass immer nur ein kleiner Teil der Palastschätze gezeigt werden kann und dass nur noch ungefähr die Hälfte des kaiserlichen Eigentums sich überhaupt in Peking befindet. Den Rest hat die Guomindang in den 1930-er Jahren eingepackt und beim Rückzug vor den Japanern und den Kommunisten zu ihren jeweiligen Hauptstädten mitgenommen. Heute wird dieser Teil des Palastschatzes in einem ebenfalls sehenswerten Museum am Stadtrand von Taipeh in Taiwan gezeigt.
Tgl. 8.30–16 Uhr, im Eintritt zum Kaiserpalast enthalten, Sonderausstellungen sind in der Regel bei der Eintrittskarte nicht eingeschlossen.

Das Song-Qingling-Museum

Song Qingling war die Ehefrau des Republikgründers Sun Yatsen. Sie stammt aus einer der in den 1920-er und 1930-er Jahren politisch und wirtschaftlich einflussreichsten chinesischen Familien, die in Shanghai ansässig war (oft in alter Umschrift Soong genannt). Ihre Schwester May Ling heiratete den Nachfolger Sun Yatsens in der Guomindang, Chiang Kai-shek, der 1949 mit seinen Anhängern nach Taiwan flüchtete und dort ein diktatorisches Regiment führte.
Nach dem frühen Tod ihres Gatten (1925) neigte Song Qingling mehr den Kommunisten zu und erhielt dafür später das Ehrenamt der Vizepräsidentin der VR China. Sie setzte sich engagiert für Frauenrechte ein, die trotz des Mao-Slogans „Die Frauen tragen die Hälfte des Himmels“ in China immer noch unterentwickelt sind. In dem modernen Haus an den Hinteren Seen wohnte Song von 1963 bis zu ihrem Tod 1981. Die Ausstellung zeichnet das Leben Songs nach, die Zimmereinrichtungen belegen die Mode der 1960-er Jahre.
Adresse: 46 Houhai Beiyan (Hintere Seen), geöffnet tgl. 9.30–17 Uhr

Das Stadtplanungsmuseum

An der südöstlichen Ecke des Tian’anmen-Platzes steht noch der alte Pekinger Bahnhof, der jetzt als Kaufhaus genutzt wird. Dahinter (etwas nach Osten) ragt ein neuer Funktionsbau auf, der sich der technischen Entwicklung der Hauptstadt widmet. Es geht um die Wasserversorgung und andere Dinge, wirklich interessant ist allerdings nur das riesige Modell der Stadt im 3. Stock. Hier kann man Einzelheiten der Stadtplanung, etwa die alte „kaiserliche“ Achse und ihre Drehung um 90 Grad nach 1949, die Hochhausbezirke, die Verkehrsringe und die Prestigebauten, gut erkennen. Fast jedes einzelne Haus ist nachgebildet, und durch verschiedenfarbige Beleuchtungen werden Zusammenhänge klarer.
Adresse: 20 Qianmen Dongdajie, geöffnet tgl. außer Mo 9–17 Uhr

Ullens Centre for Contemporary Art

In der Kunstfabrik 798 stellt das belgische Ehepaar Ullens einen Teil seiner Sammlung chinesischer Gegenwartskunst im ersten privaten Museum Chinas aus. Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Entwicklung der letzten zwanzig Jahre.
Ullens Center for Contemporary Art (UCCA), 798 Lu, Tel. 8459 9269; tgl. außer Mo 10–18 Uhr

Das Xu-Beihong-Museum

Der Maler Xu Beihong (1895–1953) ist vor allem durch seine Tuschmalerei mit Pferden bekannt geworden. Sehr dynamisch präsentieren sich die Tiere mit wehenden Mähnen und Schweifen in der Bewegung. Eine solche Darstellung war geradezu revolutionär, da sich Tiere und Menschen in der traditionellen chinesischen Malerei meist winzig klein und statisch in die Natur einfügen.
Xu Beihong verbrachte die erste Hälfte der 1920-er Jahre in Paris und Berlin, arbeitete dann in Nanjing und Shanghai. Seine Weiterentwicklung der chinesischen Malerei durch westliche Einflüsse brachte ihm bald internationale Anerkennung ein. Nach 1949 arbeitete er kurz als Direktor der Pekinger Kunstakademie, bis ihm 1951 ein Schlaganfall das Arbeiten unmöglich machte.
In dem Museum finden sich Skizzen und einige seiner Werke (die häufig für Touristen kopiert werden) sowie rund 1200 Bilder aus Xus Kunstsammlung, die Werke von der Tang-Zeit bis in die Moderne umfasst. Außerdem sind zahllose alte Bücher sowie Fotos und Gegenstände aus dem Besitz des Malers zu sehen.
Adresse: 53 Xinjiekou Beidajie, geöffnet tgl. außer Mo 9–16.30 Uhr

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